Als Nikolaus in seiner Postilla zur Auslegung von Mk 12,1-12 – dem Gleichnis von den bösen Winzern – kam, brachte er eine überraschende Deutung zu der Identität der Sklaven, die vom Besitzers des Weinbergs geschickt und von den Winzern misshandelt werden. Anders als die Glossa Ordinaria, die sie mit den israelitischen Propheten (so die Interlinearglosse) bzw. unter Berufung auf Ps 105,26 mit Moses und Aaron identifizierte (so die Marginalglosse), wählte Nikolaus in seiner aktualisierenden (moraliter) Auslegung eine rein innerkirchliche Deutung:
Et misit servos suos ad agricolas. Id est, bonos episcopos ad malos Christianos arguendum. Et aliquos caeciderunt, ut Ioannem Damascenum, cui absciderunt manum, et sanctum Brictium contumeliis affectum, et Sanctum Thomam Cantuariensis occisum, et de pluribus aliis similia leguntur. QuelleEr schickte seine Sklaven zu den Bauern. Das bedeutet, gute Bischöfe, um schlechte Christen zurechtzuweisen. Und einige haben sie getötet, wie Johannes von Damaskus, dem sie die Hand abhieben, und den heiligen Brictius, der mit Schmähungen bedacht wurde, und den heiligen Thomas von Canterbury, der erschlagen wurde — und von mehreren anderen wird Ähnliches berichtet.
Was hat es mit diesen drei unterschiedlichen Fällen auf sich? ich gehe die Beispiele nach der chronologischen Reihenfolge durch.
Brictius von Tours (um 370-444)
Einer seiner Nachfolger, Gregor von Tours (538-594), schrieb eine kurze Vita in seinen Decem libri historiarum II 1 und X 31,4, in denen Brictius durchaus nicht nur in einem günstigen Licht erscheint.

Dieses Bild wird noch vertieft, wenn man die Angaben bei Sulpicius Severus (um 363-420/425) und Papst Zosimus (gest. 418) hinzunimmt. Trotz seines insgesamt nicht so erfreulichen Charakters dürfte Nikolaus ihn als Beispiel für einen von Gott gesandten Boten hergenommen haben, der von den Seinen verleumdet worden war und trotz eines Wunders, das seine Unschuld beglaubigen sollte, in die Verbannung geschickt wurde.
Johannes von Damaskus (um 650-754)
Bei Johannes handelt es sich zwar nicht um einen Bischof, aber um einen bedeutenden Theologen und Kirchenlehrer. Der Legende nach (siehe den Anhang weiter unten) wurde er vom ihm feindlich gesonnenen byzantinischen Kaiser Leo III. beim Kalifen in Damaskus mit einem gefälschten Brief verleumdet, der ihm daraufhin die rechte Hand abhacken ließ. Als sich Johannes vertrauensvoll an die Ikone der Gottesmutter wandte, wurde seine Hand wundersamerweise wiederhergestellt. Diese völlig legendarische Darstellung entbehrt jeder historischen Grundlage – fraglich ist zudem für mich, wie Nikolaus an die Vita des Johannes von Damaskus gelangt ist, die, ursprünglich in arabischer Sprache verfasst, zunächst nur auf Griechisch vorlag.
Thomas Becket (1119/1120-1170)
Der Erzbischof von Canterbury wurde am 29.Dezember 1170 in seiner Kathedrale von Rittern ermordet, die davon ausgingen, im Auftrag von King Henry II. zu handeln. Hier konnte Nikolaus wohl auf eine ungewöhnlich große Zahl an Lebensdarstellungen zurückgreifen – ich nenne hier nur die des Herbert von Bosham (gestorben um 1194), einem der engsten Mitarbeiter Beckets, der zudem ein bedeutender Psalmen-Interpret war und – wie Nikolaus nach ihm – großen Wert auf die Kenntnis der hebräischen Interpretation legte.
Ergebnis
Ich vermute, dass Nikolaus mit diesen drei Beispielen aus dem fünften, achten und zwölften Jahrhundert seinen Lesern deutlich machen wollte, dass es nicht anging, das Wort des Gleichnisses auf biblische Ereignisse zurück zu projizieren, sondern zu erkennen, dass die Tendenz, Boten Gottes nicht nur zurückzuweisen, sondern sie zu verleumden, sie schwer zu misshandeln, ja, sogar sie zu töten, bis in die Gegenwart real und ein Problem ist. Wir könnten die Liste des Nikolaus heute um etliche Beispiele ergänzen, ohne dabei auf fiktionale oder legendarische Begebenheiten zurückgreifen zu müssen.
Anhänge
Vita sancti Brictii episcopi
Ich bringe hier die erste Seite der Vita des Bischofs in der Handschrift MS. Phill. 1877 aus dem 9. Jh., heute in der Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz.

In der Ausgabe der Patrologia Latina findet sich eine spannende textkritische Anmerkung zu dieser Lebensbeschreibung:
Deest hoc caput in Corb. et Reg. Porro nonnulli hujus temporis eruditi viri, quibus non placet haec Gregorii narratio, eum inhoc falsum fuisse putant, quod Brictionem, de quo Sulpicius in fine Dialog. 3 scripsit, cum Briccio sancti Martini confuderit, quos tamen diversos omnino fuisse volunt: primo, quod neque Sulpicius, neque Fortunatus, qui Brictionis etiam meminit, eum Martino successisse dixerint; 2° quod verisimile non sit hominem adeo facinorosum, qualis Brictio ab illis auctoribus describitur, tanto viro in episcopatu successisse; 3° quod, si Brictio Martino successisset, Sulpicius qui eo Turonis sedente Dialogos scripsit, tanta ejus facinora, aut saltem nomen reticuisset. Denique quod Sulpicius et Fortunatus Brictionem nominaverint, Martini vero successor Briccius etiam ab ipso Gregorio appellatus fuerit. Quin et alii volunt totum hoc caput Gregorii Historiae ab aliquo interpolatore fuisse adjectum: cum in codd. vetustissimis, Corbeiensi scilicet et Bellovacensi, non habeatur, et in eo proferantur multa, quae non satis sibi constant, ut a Gregorio scripta dici possint, videlicet hominem vanum Martino successisse, eumque annos saltem septuaginta natum adulterii crimine impetitum; Romae, ut suam causam tueretur, annos septem commoratum. His addunt pontificis Romani, qui tamen Gregorio probe notus erat, nomen suppressum; nullam denique horum factorum alias memoriam haberi, aliaque id genus, quae a CL. V. Josepho Antelmio in epistola ad R. P. Ant. Pagium Parisiis edita anno 1693 proferuntur. Verum his omnibus opponi potest antiqua et constans Ecclesiae Turonensis traditio, quae Briccium suum, qualis a Gregorio repraesentatur, semper venerata est, et etiam nunc cultu publico colit. Quae autem objiciuntur adversus hanc traditionem, non fortasse tanti videbuntur, quae hanc omnino possint elevare. Quid enim mirum si Briccius, vir alias dotibus bonis non plane destitutus, cujus crimina occultaverat sanctus Martinus, quem et ipse a teneris in monasterio suo educatum, presbyterum creaverat, ipsi in successorem suffectus fuerit? Sulpicius vero ejus in sanctum virum convicia retulit, sed eo ipso tempore, quo ea Briccius a suis vexatus palam confitebatur, juste, ut refert ipse Gregorius, sibi calamitates contigisse dicens, quod ipse saepius sanctum virum calumniis impetiisset. Nihil porro obest levis illa nominum diversitas, cum martyrologia, etiam vetustissima, ut in plerisque observavimus, aliquando Briccium, aliquandoDieses Kapitel fehlt in Corb. (= Codex Corbeiensis aus dem Kloster Corbie) und Reg. (= Codex Reginensis lat. 457 aus der Bibliotheca Reginensis in der Vatikanischen Bibliothek). Nun meinen einige gelehrte Männer unserer Zeit, denen diese Erzählung des Gregor nicht gefällt, er habe sich darin geirrt, dass er den Brictio, über den Sulpicius am Ende des 3. Dialogs geschrieben hat, mit dem Briccius des heiligen Martin verwechselt habe, die sie jedoch für durchaus verschiedene Personen halten: erstens, weil weder Sulpicius noch Fortunatus, der auch des Brictio gedenkt, gesagt hätten, er sei Martin nachgefolgt; zweitens, weil es nicht wahrscheinlich sei, dass ein so verbrecherischer Mann, wie Brictio von jenen Autoren beschrieben wird, einem so großen Mann im Bischofsamt nachgefolgt sei; drittens, weil Sulpicius, der die Dialoge zu der Zeit schrieb, als jener in Tours saß, dessen so große Verbrechen, oder wenigstens seinen Namen, verschwiegen hätte, wenn Brictio Martin nachgefolgt wäre. Schließlich, weil Sulpicius und Fortunatus ihn Brictio genannt hätten, Martins Nachfolger aber auch von Gregor selbst Briccius genannt worden sei. Ja, manche wollen sogar, dass dieses ganze Kapitel der Geschichte Gregors von irgendeinem Interpolator hinzugefügt worden sei: da es sich in den ältesten Handschriften, nämlich der Corbeiensis und der Bellovacensis, nicht findet, und darin vieles vorgebracht wird, was nicht hinreichend in sich stimmig ist, um als von Gregor geschrieben gelten zu können — nämlich dass ein eitler Mensch Martin nachgefolgt sei, und dieser, mindestens siebzig Jahre alt, des Ehebruchs beschuldigt worden sei; dass er in Rom, um seine Sache zu verteidigen, sieben Jahre verweilt habe. Diesen Argumenten fügen sie hinzu, dass der Name des römischen Bischofs, der Gregor doch gut bekannt war, unterdrückt worden sei; dass schließlich von diesen Vorgängen sonst keine Erinnerung vorhanden sei, und anderes dergleichen, was von dem berühmten Joseph Antelmius in einem zu Paris im Jahre 1693 an den hochwürdigen Pater Antonius Pagius gerichteten Brief vorgebracht wird. Dem allen aber kann die alte und beständige Überlieferung der Kirche von Tours entgegengehalten werden, die ihren Briccius, so wie er von Gregor dargestellt wird, stets verehrt hat und ihn auch jetzt noch mit öffentlichem Kult feiert. Was aber gegen diese Überlieferung eingewendet wird, wird vielleicht nicht so gewichtig erscheinen, dass es diese gänzlich entkräften könnte. Was ist denn so verwunderlich, wenn Briccius, ein Mann, der sonst guten Eigenschaften nicht ganz entbehrte, dessen Verbrechen der heilige Martin verborgen gehalten hatte, den er auch selbst von Kindheit an in seinem Kloster erzogen und zum Priester geweiht hatte, diesem als Nachfolger eingesetzt wurde? Sulpicius hat freilich seine Schmähungen gegen den heiligen Mann berichtet, aber eben zu der Zeit, als Briccius, von den Seinen bedrängt, sie öffentlich eingestand und sagte, wie Gregor selbst berichtet, die Unglücksfälle seien ihm mit Recht widerfahren, weil er selbst den heiligen Mann gar oft mit Verleumdungen angegriffen habe. Die leichte Verschiedenheit der Namen steht dem auch keineswegs entgegen, da die Martyrologien, auch die ältesten, wie wir bei den meisten beobachtet haben, diesen seligen Mann bald Briccius, bald Brictio nennen. Was aber über Fortunatus gesagt wird, stärkt den Einwand in keiner Weise, da feststeht, dass er in Versen nur das ausgedrückt hat, was Sulpicius in ungebundener Rede gesagt hatte. Was aber zur Aberkennung dieser Geschichte an Gregor vorgebracht wird, ist von weit geringerem Gewicht. Denn sie fehlt zwar im Codex Corbeiensis, aber in jenem Codex fehlen viele andere Dinge, die jedoch anderweitig sicher als von Gregor geschrieben feststehen, wie wir an gegebener Stelle beweisen. Aus dem Codex Bellovacensis aber lässt sich nichts schließen, da ihm einige Blätter herausgerissen wurden und das erste erhaltene Blatt am Ende des dritten Kapitels beginnt. Im Übrigen findet sich diese Geschichte in anderen, auch alten und zuverlässigen Handschriften, sowohl in der Geschichte Gregors selbst als auch in anderen Handschriften unter dem Titel ‚Leben des heiligen Briccius', und zwar unter Gregors eigenem Namen. Dass aber ein eitler Mensch ins Bischofsamt erhoben worden, oder ein Siebzigjähriger des Ehebruchs beschuldigt worden sei, oder er in Rom zur Verteidigung seiner Sache oder aus irgendeinem anderen Grunde ein volles Jahrsiebt verweilt habe; schließlich dass der Name des Bischofs von Gregor unterdrückt worden sei, und andere Argumente dieser Art — sie sind nicht so stark, dass sie eine bisher unerschütterliche Überlieferung zu erschüttern vermöchten; da es auch in unseren Zeiten nicht an Beispielen fehlt, durch die Gregors Bericht bestätigt werden kann. Und in der Tat bezeugt Papst Zosimus in Brief 4 an Aurelius und andere afrikanische Bischöfe, dass Briccius, der Bischof der Stadt Tours, fälschlich von Lazarus angeklagt worden sei. Welcher Lazarus, wie derselbe Papst in Brief 6 berichtet, im Konzil von Turin verurteilt wurde, weil er das Leben des unschuldigen Bischofs Bricius mit falschen Anschuldigungen angegriffen hatte.
Was die Position der Skeptiker weiter schwächt, ist der Umstand, dass der Codex Reg.lat.457 in der vatikanischen Bibliothek sehr wohl eine Vita Brictii enthält.
Leben unseres heiligen Vaters Johannes von Damaskus
Den pères bollandistes verdanke ich diese griechische Fassung der Vita des Johannes von Damaskus, ich bringe hier den Abschnitt mit der Legende von der abgehauenen und wiederhergestellten Hand des Kirchenlehrers. Sie beginnt mit einem angeblich vom byzantinischen Kaiser gefälschten Brief, in dem Johannes den oströmischen Kaiser auffordere, Damaskus anzugreifen. Dieses gefälschte Schreiben habe der Kaiser dann einem Schreiben an den Kalifen beigelegt. Ich beginne mit Abschnitt 16 der Vita.
16 Χαΐρε ὦ Βασιλεῦ· κᾲγω συγχαίρω τῷ κράτει σου διὰ τὴν ταυτότητα τῆς ὑμῶν πίστεως, εὐγνωμοσύνην τε καὶ σέβας προσῆκον ἀπονέμω τῇ βασιλικῆ σου ὑπεροχῇ· δι ἣν καὶ ταῦτα ποιῶ πρὸς γνῶσίν σου, ὡς ἡ καθ` ὑμᾶς πύλις αὕτη περὶ τὴν φυλακὴν ἠμελημένη πάντη τυγχάνει· τὸ ἐνταῦθα τὲ στρατιωτικὸν τῶν Ἀγαρηνῶν ἀσθενές τε καὶ εὐαρίθμητον. Φεῖσαι οὖν πρὸς Θεοῦ καὶ τῆς πόλεως ταύτης· καὶ παρ᾽ ἐλπίδα πᾶσαν χεῖρα γενναίαν καὶ πολυπληθῆ πεπομφὼς, ἀλλαχοῦ προσποιουμένην πορεύεσθαι, ἔξεις τὴν πόλιν ἀπονητί· μετρίως γὰρ κᾲγὼ πρὸς τοῦτον συναροῦμαί σοι τὸν σκοπόν, ὅτι καὶ ὑπὸ χεῖρα σχεδὸν ἐμὴν πᾶσα ἡ χώρα καὶ ἡ πόλις ἐπιτελεῖ. Τούτου γενομένου τοῦ γράμματος, γράμμα ἕτερον διαχαράττει ἐκ τῆς αὐτοῦ δυσμενείας ὁ δυσσεβὴς, πρὸς τὸν Ἅρχοντα τῶν ἐν Δαμασκῷ Σαρακηνῶν οὕτως ἔχον τοῦ σκυποῦ· Ὡς οὐδὲν οἷδα τῆς εἰρήνης μακαριώτερον, οὐδὲ τῆς φιλίας εὐδαιμονέστερον, καὶ τὸ τηρεῖν τὰς εἰρηνικὰς συνθήκας, ἐπαινετὸν δὲ καὶ φιλόθεον: Διὰ ταῦτα παντὸς ἄλλου προτίθεμαι, ἀδιαλύτους φυλάττειν ἃς διεθέμην εἰρηνιχὰς φιλίας πρὸς τὴν σὴν εὐγένειαν. Καὶ τοι πρὸς τὸ ταύτας διαλύσαι κρυφίως καὶ παρασπονδῆσαι δολερῶς, ὑπό τινος τῶν ὑπό σε τελούντων Χριστιανῶν, πολλάκις ἐκκαλούμενοι διὰ γραμμάτων αὐτοῦ πολλῶν, διαβεβαιομένων ἀσφαλῶς πλεῖστά μοι σνλλαβέσθαι πρὸς τὴν ὑπό σε χειρώπασθαι πόλιν, ἂν πολυπληθὲς ἀφήσω κατ᾽ αὐτοῦ στράτευμα. Ἔνθεν τοι καὶ μίαν τῶν ὑπ᾽ ἐκείνου μοι πεμπομένων ἐπιστολῶν, ἀντεξαπἐστειλά σοι, βέβαια παριστῶν σοι ἅπερ σοὶ ἔγραψα· ἵνα γνῶς, οἷος ἐγὼ περὶ τὰς φιλίας ἀληθής τε καὶ ἀπαράσπονδος· ἐπιγνοίῃς δὲ καὶ τὸ δύανουν καὶ δολερὸν τοῦ ταῦτα γράψαι πρός με τολμήσαντος.
16 ‚Sei gegrüßt, o Kaiser! Auch ich freue mich mit deiner Macht wegen der Gleichheit eures Glaubens, und ich zolle deiner kaiserlichen Hoheit den gebührenden Dank und die angemessene Ehrerbietung. Eben deshalb tue ich dies auch zu deiner Kenntnis: dass diese Stadt bei euch in Bezug auf ihre Bewachung völlig vernachlässigt ist und das dortige Heer der Hagarener schwach und von geringer Zahl. Schenke also um Gottes willen auch dieser Stadt deine Aufmerksamkeit; und wenn du wider alle Erwartung eine tapfere und zahlreiche Truppe gesandt hast, die vorgibt, anderswohin zu ziehen, wirst du die Stadt mühelos haben. Denn auch ich werde dir bei diesem Vorhaben in bescheidenem Maße behilflich sein, weil fast das ganze Land und die Stadt so gut wie unter meiner Hand steht.' — Nachdem dieses Schreiben verfasst worden war, trennte der Gottlose aus seiner Feindseligkeit ein weiteres Schreiben mit folgendem Inhalt an den Fürsten der Sarazenen in Damaskus ab: ‚Da ich nichts Seligeres kenne als den Frieden und nichts Glücklicheres als die Freundschaft, und da das Bewahren der Friedensverträge lobenswert und gottgefällig ist: deshalb stelle ich dies vor allem anderen voran, die Friedensfreundschaften, die ich mit deiner Edelmut geschlossen habe, unaufgelöst zu bewahren. Und dennoch wurden wir, um diese heimlich aufzulösen und treubrüchig zu hintergehen, von einem der unter dir stehenden Christen durch viele seiner Schreiben wiederholt aufgerufen, die mir zuverlässig versicherten, mir sehr behilflich zu sein bei der Unterwerfung der unter dir stehenden Stadt, wenn ich ein zahlreiches Heer zu ihm entsende. Daher habe ich dir auch einen der von jenem an mich gesandten Briefe zurückgeschickt, womit ich dir das, was ich dir geschrieben habe, als gesichert darlege — damit du erkennst, was für ein Mensch ich bin, wahrhaftig und nicht vertragsbrüchig in der Freundschaft, und damit du auch die böse Gesinnung und Hinterlist dessen erkennst, der es gewagt hat, mir dies zu schreiben.'
Das Heer der Hagarener bezieht sich auf die Muslime, die als Nachfahren von Abraham und Hagar (Gen 16) gedeutet werden, die Kinder Ismaels.
17 Ταῦτα οὖν ἄμφω τὰ γράμματα ὁ λεοντώνυμος καὶ ὀφιογνώμων τὸν δόλον, διά τινος ἐξεπέστειλε πρὸς τὸ βάρβαρον. Ὁ δὲ, ταῦτα δεξάμενος, εἰσχαλεῖται τὸν Ἰωάννην, καὶ τὸ δολερὸν ἐχεῖνο γραμμάτιον αὐτῷ ὑποδείχνυσιν. Ὃ δὲ Ἰωάννης τοῦτο διεξιὼν, τοὺς τῶν γραμμάτων τύπους τοῖς ἑαυτοῦ παρεικάζεσθαι συγκατέθετο, τὰ δ᾽ ἐν αὐτοῖς ἐμφερόμενα μὴ τὸ ὁ παράπαν εἰδέναι, μή δ᾽ εἰς νοῦν βαλλεσθαί ποτε προσέθετο. Οὐκ ἠγνόησε δὲ τὸν δόλον καὶ τὴν ἐπιβολὴν ἀναγνούς· ἀλλ` ὁ μισόχριστος ἐκεῖνος Ἄρχων πρὸς τὰ ὑπὸ τοῦ Ἰωάννον λεγόμενα ὄνος ἦν λύρας ἀκούων (τοῦτο δὴ φάναι τὸ τῆς παροιμίας) καὶ ἐκωφώθη μὲν ἐξ ἀγαθῶν ῥημάτων καὶ ἀληθῶν· οὐκ ἐσίγησε δὲ τοῦ μὴ ἄδικον ἀποφθέγξασθαι πρόσταγμα, ἀλλ` εὐθὺς κελεύει τὴν δεξιὸν κοπῆναι τοῦ Ἰωάννου, καὶ δεομένου βραχὺν χρόνον δοθῆναι οἷ, πρὸς ἀπολογίαν τὲ καὶ ἀγήγησιν τῆς κατ` αὐτοῦ μονίας τοῦ δυσσεβοῦς, οὐκ ἀνῆκεν οὐδὲ ἠνέσχετο, ὅλως ὑπὸ τῆς μανίας ἐκστὰς ὁ βάρβαρος. Καὶ δὴ ἐκκέκοπται δεξιὰ, ἡ ποιήσασα δύναμιν τοῖς ὁρβοδόξοις ἐν Θεῷ δι` ὧν γέγραφεν· ἐκκέκοπται δεξιὰ, ἠ ἐλέγχουσα τοὺς μισοῦντας τὸν Κύριον· καὶ ἀντὶ μέλανος, ᾧ ἐβάπτετο πρότερον λογογραφοῦσα τὴν τῶν εἰκόνων προσκύνησιν, οἰκείῳ αἵματι βάπτεται. Ἐκκοπεῖσαν τοίνυν ἐκείνην τὴν δεξιὰν, ἵν᾽ οὕτως εἴπω, ἐπὶ τῆς ἀγορᾶς ἐμετεώρησαν.
Diese beiden Schriftstücke nun sandte der Löwennamige und Schlangenkluge als Falle durch jemanden an den Barbaren. Dieser aber, sie empfangen habend, lässt Johannes hereinrufen und zeigt ihm jenes trügerische Schreiben. Johannes aber, als er es durchlas, gab zu, dass die Schriftzüge seinen eigenen ähnlich seien, beteuerte jedoch, den Inhalt des darin Enthaltenen überhaupt nicht zu kennen und es sich auch nie in den Sinn kommen lassen zu haben. Und er erkannte beim Lesen die Falle und den Anschlag wohl — doch jener christushassende Fürst war gegenüber dem von Johannes Gesagten wie ein Esel, der eine Leier hört (so lautet das Sprichwort), und er war taub für gute und wahre Worte; er schwieg aber nicht, als es darum ging einen ungerechten Befehl auszusprechen, sondern befahl sofort, die rechte Hand des Johannes abzuhauen. Und als dieser bat,dass ihm eine kurze Zeit zur Verteidigung und zur Darlegung der gegen ihn gerichteten gottlosen Verschwörung gewährt werde, ließ der Barbar nicht ab und duldete es nicht, gänzlich von seiner Raserei außer sich geraten. Und so ist sie abgehauen worden — die Rechte, die durch das, was sie geschrieben hat, den Rechtgläubigen Kraft in Gott gewirkt hat; abgehauen ist die Rechte, die jene überführte, die den Herrn hassen; und statt der Tinte, in die sie zuvor eingetaucht wurde, als sie die Verehrung der Ikonen niederschrieb, wird sie in ihr eigenes Blut getaucht. Die abgehauene Rechte nun — dass ich es so sage — hängten sie auf dem Marktplatz auf.
Der Löwennamige ist natürlich Kaiser Leo. Spätestens jetzt sollte deutlich geworden sein, dass es eigentlich nicht um eine christlich-muslimische Auseinandersetzung geht – sondern um eine innerchristliche Auseinandersetzung um den Stellenwert der Verehrung von Ikonen.
18 Ἑσπέρας οὖν γαταλαβούσης καὶ εἰς πέρας λῆξαι τοὺς θυμοὺς τοῦ τυράννου ὑποτοπάσας ὁ Ἰωάννης, πρεσβείαν πρὸς ἐκεῖνον ἐστείλατο, δυσωπῶν καὶ τοιαῦτα φθεγγόμενος. Τὰ τῆς ὀδύνης μοι ἐπιτείνεται, καὶ οὐ φορητά μοι καθέστηκε, καὶ οὐκ ἂν ἀνεθῆ μοι ἡ τῆς ἀλγηδόνος ἀκὶς, ἕως ἐπ᾽ ἀέρος ἡ χεὶρ μου ἐκκοπεῖσα ἐκκρέμαται. Κέλευσον αὐτὴν χαρισθῆναί μοι, ὡς ἂν ὑπὸ γὴν κατακρύψω,καὶ παρακμάσῃ τὸ πολνώδυνον. Εἷξεν οὖν εὐθὺς ὁ τύραννος πρὸς τὴν δέησιν· καὶ δίδοται τῷ δικαίῳ ἡ χείρ. Ὁ δὲ ταύτην εἰληφὼς, εἰς τὸ κατ᾽ οἶκον αὐτοῦ εὐκτήριον εἴσεισι· καὶ ὅλος πρηνὴς πεσὼν, πρό τινος θείας εἰκόνος τὸν θεῖον χαρακτῆρα φερούσης τῆς Θεομήτορος, καὶ τὴν ἐκκοπεῖσαν δεξιὰν τῇ πρὶν ἁρμονίᾳ παραθεὶς, ἐκ βάθους καρδίσς τῆς φιλευσπλάγχνου ἐδεῖτο, στεναγμοῖς καὶ δάκρυσιν ἐκβοώμενος· Δέσποινα, πάναγνε μῆτερ, ἡ τὸν Θεόν μὸυ τεκοῦσα, διὰ τὰς θείας εἰκόνας ἡ δεξιά μοι ἐκόπη· οὐκ ἀγνοεῖς τὴν αἰτίαν ἣν ἐμάνη ὁ λέων· πρόφθασον τοίνυν ὡς τάχος, καὶ ἴασαί μὸυ τὴν χεῖρα· ἡ δεξιὰ τοῦ ὑψίστου, ἡ ἀπό σου σαρκωθεῖσα, πολλὰς ποιεῖ τὰς δυναμεις διὰ τῆς σῆς μεσιτείας, τὴν δεξιάν μου καὶ ταύτην νῦν ἰασάτω λιταῖς σου· ὡς ἂν σοὺς ὕμνους οὕς δοίης, καὶ τοῦ ἔκ σὸυ σαρκωθέντος εὐρυθμικαῖς ἁρμονίαις συγγράψηται, Θεοτόκε, καὶ συνεργὸς χρηματίσῃ τῆς ὀρθοδόξου λατρείας· Δύνασαι γὰρ ὅσα θέλεις, ὡς τοῦ Θεοῦ μήτηρ οὖσα.
18 Als nun der Abend hereingebrochen war und Johannes vermutete, dass die Zornesanfälle des Tyrannen zu Ende gegangen seien, schickte er eine Gesandtschaft zu jenem, ihn beschwörend und solches sagend: ‚Der Schmerz steigert sich bei mir und ist mir unerträglich geworden, und der Stachel der Qual wird mir nicht nachlassen, solange meine abgehauene Hand in der Luft hängt. Befiehl, dass sie mir geschenkt werde, damit ich sie unter der Erde verberge und das vielschmerzende Leid nachlasse.' Der Tyrann gab also sofort dem Flehen nach, und die Hand wird dem Gerechten gegeben. Dieser aber, sie empfangen habend, tritt in die Hauskapelle ein; und ganz auf das Angesicht gefallen vor einer gewissen heiligen Ikone, die das göttliche Antlitz der Gottesmutter trägt, und die abgehauene Rechte an die frühere Fuge anlegend, flehte er aus der Tiefe seines Herzens die Barmherzige an, in Seufzern und Tränen ausrufend: ‚Herrin, allreine Mutter, die du meinen Gott geboren hast — um der heiligen Ikonen willen wurde mir die Rechte abgehauen; du kennst den Grund, weshalb der Löwe in Raserei geriet. Komm also zuvor so schnell wie möglich und heile meine Hand! Die Rechte des Höchsten, die von dir Fleisch angenommen hat, wirkt viele Wundertaten durch deine Fürsprache — auch diese meine Rechte heile nun durch deine Bitten, damit sie deine Hymnen, die du verleihen mögest, und die des von dir Fleischgewordenen in wohlgeordneten Harmonien niederschreibe, Gottesgebärerin, und Mitarbeiterin der rechtgläubigen Verehrung werde. Denn du vermagst, was du willst, da du Mutter Gottes bist.'
19 Ταῦτα λέγων ὁ Ἰωάννης σὺν δάkρυσιν, εἰς ὕπνον ἐτράπετο, καὶ ὡρᾷ τὴν τῆς Θεομήτορος ἁγίαν εἰπόνα, ὄμμασιν εὐσπλάγχνοις καὶ ἱλαροῖς πρὸς αὐτὸν ἀποβλέπουσάν τε καὶ λέγουσαν· Ἴδε ὑγιὴς γέγονέ σου ἠ χείρ· μὴ μέλλε λοιπὸν, ἀλλὰ κάλαμον ταύτην γραμματέως ποίησον ὁξυγράφου, ὡς ἐπηγγείλω μοι νῦν. Ἀφυπνισθεὶς οὖν ὁ ἰαθεὶς, εἶτα περιεργασάμενος τὴν κεκομμένην, καὶ ἰαθεῖσαν ταύτην ἰδὼν, ἠγαλλιάσατο τῷ πνεύματι ἐπὶ τῷ Θεῷ τῷ σωτῆρι αὐτοῦ, καὶ τῇ τούτου μητρὶ, ὅτι ἐποίησεν αὐτᾧ μεγαλεῖα ὁ δυνατός. Καὶ στὰς ἐπὶ τοὺς πόδας, τὰς χεῖρας αὐτοῦ εἰς ὕψος ἀνέτεινε, καὶ μέλος ᾖσε τὸ τῷ καιρῷ προσφορώτατον· καὶ ἦν δι` ὅλης νυκτὸς πανοικὶ εὐφραινόμενος καὶ ἄδων ᾆσμα καινὸν Θεῷ εὐχαριστήριον· Ἡ δεξιά σου χεὶρ, λέγων, Κύριε, δεδόξασται ἐν ἰσχύϊ, ἡ δεξιά σου χεὶρ τὴν θραυσθεῖσαν μου δεξιὰν ἰάσατο· καὶ διὰ ταύτης θραύσῃ ἐχθροὺς τοὺς μή τιμῶντας τὴν σὴν σιβασμίαν εἰκόνα kαὶ τῆς τεκούσης σε, καὶ τῷ πλήθει τῆς δόξης σου τοὺς ὑπεναντίους εἰκωνοθραύστας, συντρίψεις διὰ τῆς ἐμῆς χειρός. Ἦν οὖν ἠ νὺξ ἐκείνη ἐκείνῳ ἡμέρα, καὶ οὐχὶ νύξ· καὶ φῶς, καὶ οὐχὶ σκότος: καὶ ἵν` οὕτως ἐρῶ τὸ προφητικὸν μεθ` ὑπαλλαγῆς, ἦχος ἦν ἐκεῖ καθαρὸς ἑορταζόντων, καὶ φωνὴ ἀγαλλιάσεων ἐν σχηνῇ δικαίου ἀνδρός.
19 Als Johannes dies unter Tränen gesagt hatte, fiel er in Schlaf und erblickte die heilige Ikone der Gottesmutter, die ihn mit barmherzigen und heiteren Augen ansah und sprach: ‚Siehe, deine Hand ist gesund geworden; zögere nicht länger, sondern mache sie zum Rohr eines schnell schreibenden Schreibers, wie du mir jetzt versprochen hast.' Als nun der Geheilte erwacht war und dann die abgehauene Hand genau betrachtete und sie geheilt sah, frohlockte er im Geiste über Gott, seinen Retter (vgl. Lk 1,47), und dessen Mutter, weil der Mächtige Großes an ihm getan hatte (vgl. Lk 1,49). Und auf seine Füße tretend, streckte er seine Hände in die Höhe und sang einen der Stunde am meisten angemessenen Lobgesang; und er verbrachte die ganze Nacht mit seinem ganzen Haus in Freude und sang Gott ein neues Danklied: ‚Deine rechte Hand, o Herr,' sprach er, ‚ist verherrlicht in Kraft (vgl. Ex 15,6 LXX); deine rechte Hand hat meine zerbrochene Rechte geheilt; und durch diese wirst du die Feinde zerbrechen, die dein ehrwürdiges Bild und das der dich Gebärenden nicht ehren, und in der Fülle deiner Herrlichkeit wirst du die widerstrebenden Bildzerbrecher durch meine Hand zerschmettern.' Jene Nacht nun war für ihn ein Tag und keine Nacht, Licht und keine Finsternis; und — um es so mit dem Propheten in abgewandelter Form zu sagen — es war dort der reine Klang der Feiernden und die Stimme des Jubels im Zelt des gerechten Mannes (vgl. Ps 41,5 LXX).
Wie allerdings Nikolaus an diese Legende kam, kann ich derzeit nicht nachvollziehen. In der Legenda aurea scheint sie sich nicht zu befinden.