Ein echtes Kreuz für Bibel-Übersetzer oder -Ausleger ist der Vers Ps 2,12. Ich will das einmal an mehreren bekannten Übersetzungen demonstrieren:
¹² Ergreift die Unterweisung, damit der Herr nicht erzürnt wird und ihr vom gerechten Weg (abkommt und) zugrunde geht, wenn sein Grimm schnell aufflammt! Selig alle, die auf ihn vertrauen. (LXX deutsch)¹² Betet ihn in reiner Gesinnung an, damit er nicht etwa zornig wird, und ihr vom Weg abkommt! (Vulgata Deutsch nach dem hebräischen Psalter)
¹² Kusset den Son, das er nicht zurne, und yhr ⸢den weg verlieret⸣. Denn seyn zorn wird bald an brennen, aber wol allen die auff yhn trawen. (Martin Luther 1524)
¹¹ Dient dem Herrn in Furcht / und küsst ihm mit Beben die Füße, ¹² damit er nicht zürnt / und euer Weg nicht in den Abgrund führt. (EÜ)
In der Septuaginta und bei Hieronymus wird gar nicht geküsst, bei Luther der Sohn1 und in der alten Einheitsübersetzung (nach Umstellung des Textes) die Füße. Bei der Frage, was dahinter steckt, kann ich wiederum auf Nikolaus von Lyra verweisen, der in seiner Postilla auch auf diesen Vers einging. Der Franziskaner startete dabei zuerst mit der Übersetzung dieses Verses nach der Septuaginta:
=Apprehendite dis[ciplinam]= i. subiicite vos humiliter disciplinae Christi. In translatione vero Hie. iuxta Hebraicum habetur. =Adorate pure=. scilicet Deum adoratione latriae sine fictione, antiqui Hebraei dicunt hic. =Osculamini filium=. idest facite Christo debitum homagium, de cuius filiatione aeterna agitur in hoc psal. ut praedictum est, & bene dicitur =Osculamini= quia facientes homagium fidelitatis alicui, ipsum osculatur, & de isto osculo dicitur, Cant. I. a. =Osculetur me osculo oris sui &c.= Ratio autem dictae diuersitatis in hac litera est, quia in Hebraico sunt ibi duae dictiones aequivocae. Prima est verbum, et sona sic =nasseku=. & signat apprehendite & adorate, & osculamini, tamen frequentius accipitur pro osculamini. Alia dictio sic sonat bar, et signat disciplinam & puritatem & filium, tamen frequentius accipitur pro filio, unde dicitur, =Beatus es Simon Bar Iona.= i. filius Iona.Zitat aus Band III, S. 448 – Datei S. 232.
Begreift [die] Unterweisungdas bedeutet, unterwerft euch demütig der Unterweisung Christi. Aber in der Übersetzung [der Psalmen] des Hieronymus nach dem Hebräischen steht:Betet rein/schuldlos, das heißt Gott mit einer Anbetung ohne Heuchelei zu verehren. Die alten Hebräer sagen hier:Küsst den Sohn, das bedeutet: erweist Christus die schuldige Verehrung, von dessen ewiger Sohnwerdung in diesem Psalm gehandelt wird. Wie vorhergesagt worden ist, wird auch schön gesagt:Küsst, weil, wenn jemandem die Verehrung in Treue erwiesen wird, küsst man ihn und von diesem Kuss wird im Hohelied gesprochen:Er soll mich küssen mit dem Kuss seines Mundesusw. (Hld 1,1). Aber der Grund für die besprochenen Unterschiede in diesem Schriftwort ist, dass auf Hebräisch dort zwei mehrdeutige Ausdrücke stehen. Der erste ist ein Verb und klingt so:nasseku(נשקו), und er bedeutet begreift! oder ruft an! oder küsst!, doch häufiger wird er als küsst! verstanden. Der andere Ausdruck klingt so: Bar, und er bedeutet Lehre oder Reinheit oder Sohn, doch häufiger wird er als Sohn verstanden. Daher heißt esSelig bist du, Simon Bar Jona(Mt 16,17), das bedeutet Sohn des Jona.
Nikolaus argumentiert also mit der Ambiguität des vorliegenden hebräischen Verbes und des Objekts, auf das es sich bezieht. Wen aber meint er mit den alten Hebräern? Hilft hier ein Blick in die von ihm ständig zitierte rabbinische Auslegung? Wir finden sie im Band 4 der zweiten Rabbiner Bibel auf der Seite 4 der Datei. Ich habe die entsprechenden Aussagen von Raschi (rechts) und Ibn Ezra (unten) hervorgehoben.

Ich beginne mit Raschi (R. Schelomo Jitzchaqi; ca. 1040 – 1105):
נשקו בר זרזו עצמיכם בבור לב בא נשקו בר גרניסמנט בלע״ז ומנחם פתר אותו לשון תאוה כמו ואל אישך תשוקתך׃
Nascheku-bar. [Das bedeutet]: Stärkt euch selbst in der Reinheit des Herzens. Weiters ist Nascheku-bar garnisment [= Ausstattung, Bewaffnung, von garnir ] in der Fremdsprache [=Alt-Französisch]. Und Menachem2 interpretierte ihn als Ausdruck des Verlangens, wie [in dem Vers] nach deine Mann wird dein Verlangen (teschukatech) sein (Gen 3,16).
Die Bedeutung von Bewaffnung oder Ausrüstung für נשק, die Raschi durch die Wiedergabe des Altfranzösischen Ausdrucks deutlich macht, findet sich ebenfalls in 2 Chr 9,24; Hiob 39,21; Ps 140,8 und Jes 22,8. Auf diese hebräische Quelle hat sich Lyra also nicht bezogen und in diese Richtung dürften auch die Übersetzer der LXX gedacht haben.
Die von Lyra präsentierte Übersetzung der alten Hebräer wird durch Abraham Ibn Ezra (1089 – ca. 1165) vertreten, der in seinem Psalmenkommentar schrieb:
נשקו בר - הנה עבדו את ה' כנגד על ה
Nascheku-war – Siehe, dient dem HERRN (Ps 2,11) entspricht gegen den HERRN (und seinen Gesalbten) (Ps 2,2).
Ibn Ezra macht auf den Kontext des Psalms aufmerksam, der ja nicht nur in Vers 12 von einem Sohn spricht, sondern bereits in V. 2. Er fährt dann fort:
ונשקו בר. כנגד על משיחו והנה פירוש בר כמו מה ברי ומה בר בטני וכן כתוב בני אתה ומנהג גוים בעולם לשום ידיהם תחת יד המלך כאחי שלמה או העבד תחת ירך אדוניו או לנשק את המלך וזה המנהג עד היום בארץ הודו
Nascheku-war bezieht sich auf seinen Gesalbten (Ps 2,2). Und siehe, die Erklärung von war ist wie [in dem Vers] Was, mein Sohn und was, Sohn meines Leibes? (mah-beri umah-bar-bitni Spr 31,2). Und so steht geschrieben mein Sohn bist du (Ps 2,7) Und es ist Brauch der Völker auf der Welt, ihre Hände unter die Hand des Königs zu platzieren, wie die Brüder Salomos3 oder der Sklave unter die Hüfte seines Herrn4 oder den König zu küssen und diesen Brauch gibt es bis heute im Land Indien.
Werfen wir noch ein Blick auf einen weiteren bedeutenden Kommentator, Radaq (R. David Qimchi, 1160 – 1235):
נשקו בר כמו וינשק לכל אחיו (בראשית מה טו). ובר כמו בן; וכן מה ברי ומה בר בטני (משלי לא ב). או פרושו מן לברי לבב (תהלים עג א) ואם יהיה ענינו בן יהיה פרושו: נשקו זה הבן שקראו האל בן כמו שאמר: בני אתה. וטעם נשקו כמו שהוא מנהג העבד לנשק יד האדון; ואם יהיה ענינו נקי פרושו: מה לכם ולי, כי אני בר לבב ואין בי עון שתבאו ותלחמו בי, אבל עליכם לנשק לי ולהודות שאני מלך במצות האל. ויתכן לפרש בר מן ברו לכם איש (שמואל א יז ח) על דרך: שאול בחיר יי' (שם ב כא ו)
Nascheku-war – wie [in dem Vers] und er (= Josef) küsste [wajnaschek] alle seine Brüder (Gen 45,15). Und bar ist [von der Bedeutung her] wie ben; Und so [heißt es] Was, mein Sohn (beri) und was, Sohn (bar) meines Leibes? (Spr 31,2) Oder man interpretiert [den Ausdruck] von [dem Vers] für die, die reinen Herzens sind (leware lewaw) (Ps 73,1). Und wenn unsere Antwort [auf die Frage nach der Bedeutung des Wortes war) „Sohn“ ist, wird seine Deutung sein: Küsst diesen Sohn, den Gott [selbst] „Sohn“ genannt hat, wie er gesprochen hat: Mein Sohn bist Du (Ps 2,7). Und der Sinn von „küsst“ ist so, dass es Brauch für den Sklaven ist, die Hand des Herrn zu küssen. Und wenn unsere Antwort [auf die Frage nach der Bedeutung des Wortes nascheku eine Ableitung von] „rein“ (naki) ist, ist seine Deutung: „Was habe ich mit euch zu tun? Denn ich bin reinen Herzens und es gibt in mir keine Schuld, dass ihr kommt und Krieg mit mir führt, sondern es ist an euch, mich zu küssen und zu bekennen, dass ich auf Befehl Gottes König bin.“ Und möglicherweise ist [das Wort] bar von [dem Vers] wählt euch (beru) einen Mann (1 Sam 17,8) her zu deuten, auf die Weise [wie in dem Vers] Saul, dem Erwählten (bechir) Gottes (2 Sam 21,6).
Radaq mach die Ambiguität der beiden Ausdrücke deutlich, die wohl der Hauptgrund für die oben angeführten unterschiedlichen Übersetzungen sein dürfte. Der Blick in die rabbinische Literatur, deren Verfasser Nikolaus zeitlich und teilweise auch räumlich nahe standen, lässt also noch nicht erkennen, wie er zu seiner Aussage über die alten Hebräer kam. Die dürfte er meines Erachtens aus Hieronymus gewonnen haben.
Eusebius Hieronymus (um 347 - 419/420) kam zunächst in einer Art Notizbuch zu den Psalmen auf unsern Vers zu sprechen:
Adprehendite disciplinam, ne quando irascatur Dominus. Pro eo quod in graeco dicitur δράξασθε παιδείας, in hebraeo legitur NESCV BAR, quod interpretari potest, Adorate filium. Apertissima itaque de Xpisto prophetia est, et ordo praecepti: Adorate Filium, ne forte irascatur Dominus, hoc est Pater. Et pereatis de uia recta. Iudaei quia noluerunt adorare Filium, iratus est eis Dominus, et perierunt de uia recta.(Commentarioli in Ps. II,12; CCSL 72 S. 182)
Nehmt Unterweisung an, damit der Herr nicht irgendwann zornig wird (Ps 2,12, übersetzt nach der Septuaginta). Für das, was im Griechischen δράξασθε παιδείας heißt, wird im Hebräischen nescu bar gelesen, was übersetzt werden kann: „Verehrt den Sohn!“. Es ist daher ganz offenkundig eine Prophetie über Christus, und die Reihenfolge der Anweisung [lautet]: „Verehrt den Sohn, damit der Herr – das ist der Vater – vielleicht nicht zornig wird.“ Weil die Juden den Sohn nicht verehren wollten, ist der Herr über sie erzürnt, und sie gingen vom rechten Weg verloren.5
(CCSL LXXII, S. 182)
Dieter Böhler hat in seinem Kommentar zu Psalm 2 darauf aufmerksam gemacht, dass Hieronymus bei seiner Übersetzung ein Sprachspiel aufgreift, das in dem griechischen Ausdruck für verehren bzw. anbeten vorliegt. 6 Er verweist dabei auf das Wörterbuch von Pape, der προσκυνέω (= anbeten, verehren) von προσ- und κυνέω ableitet, als zu etwas hin küssen – dies als Ausdruck der Verehrung eines Gottes oder Königs. Das lateinische Äquivalent wäre adorare7. Wer also das griechische Verb kennt, kann die Anspielung nachvollziehen. Dass das nicht der Fall war, wird in der Verteidigung dieser Übersetzungs-Entscheidung deutlich, die Hieronymus in Contra Rufinum8 ausführen musste.
Illud quoque carpere dicitur quod, secundum psalmum interpretans, pro eo quod legimus in latino: Apprehendite disciplinam, et in hebraico uolumine scriptum est: Nescu bar, dixerim in commentariolis: Adorate filium. Et rursum omne psalterium in romanum uertens sonum, quasi immemor expositionis antiquae, posuerim: Adorate pure, quod utique sibi esse contrarium omnibus pateat. Et reuera ignoscendum est ei, si ignoret linguae hebraicae ueritatem, qui interdum et in latinis haesitat. Nescu, ut uerbum de uerbo interpreter, καταφιλήσατε, id est deosculamini dicitur; quod ego, nolens transferre putide, sensum magis secutus sum, ut dicerem: Adorate. Quia enim qui adorant solent deosculari manum et capita submittere, quod se beatus Iob elementis et idolis fecisse negat, dicens: Si uidi solem cum fulgeret et lunam incedentem clare, et lactatum est in abscondito cor meum, et osculatus sum manum meam ore meo, quae est iniquitas maxima et negatio contra Deum altissimum, et Hebraei, iuxta linguae suae proprietatem, deosculationem pro ueneratione ponunt, id transtuli quod ipsi intellegunt, quorum uerbum est. Bar autem apud illos diuersa significat. Dicitur enim et filius, ut est illud: Bariona, filius columbae, et Bartholomaeus, filius Tholomaei, et Bartimaeus, et Bariesu, et Barabbas; triticum quoque et spicarum fasciculus, et electus ac purus. Quid igitur peccaui, si uerbum ambiguum diuersa interpretatione conuerti, et qui in commentariolis, ubi libertas est disserendi, dixeram: Adorate filium, in ipso corpore, ne uiolentus uiderer interpres et iudaicae calumniae locum dare, dixerim: Adorate pure, siue electe; quod Aquila quoque et Symmachus transtulerunt. Quid hoc ecclesiasticae fidei nocet, si doceatur lector quot modis apud Hebraeos unus uersiculus explanetur? (Contra Rufinum I,19; CCSL 79, S. 19)Auch wird gesagt, dass er [=Rufin] kritisiere, ich hätte bei der Auslegung des zweiten Psalms, für das, was wir im Lateinischen als nehmt Unterweisung an lesen und was in einer hebräischen Schriftrolle als nescu bar geschrieben ist, in meinen Notizen (zu den Psalmen) verehrt den Sohn [als richtige Übersetzung] behauptet. Und andererseits, bei der Übersetzung des gesamten Psalters in die römische Sprache, habe ich – als wenn ich die ältere Erklärung vergessen hätte – betet in Reinheit an [als Übersetzung] festgesetzt, was jedenfalls allen [Lesern] in sich widersprüchlich vorkommen müsse. Und in der Tat soll man mit ihm [= Rufin] ein Einsehen haben, wenn er die wahre Bedeutung der hebräischen Sprache nicht kennt, der er manchmal auch im Lateinischen nicht sicher ist. Nescu besagt, wortwörtlich übersetzt, καταφιλήσατε, das bedeutet küsst!. Weil ich nicht auf eine geschmacklose Weise übersetzen wollte, bin ich mehr dem Sinn gefolgt, so dass ich verehrt sagte. Weil ja die, die verehren, es gewohnt sind, die Hand zu küssen und den Kopf zu senken, was der selige Hiob sich weigerte für die Elemente und die Götzenbilder zu tun, wenn er sagt: Wenn ich die Sonne gesehen habe, als sie strahlte und den leuchtend vorbeiziehenden Mond, und mein Herz im Verborgenen verlockt wurde und ich meine Hand mit meinem Mund geküsst habe, was die größte Ungerechtigkeit und Verleugnung gegen den allerhöchsten Gott ist (Hiob 31,26-28 Vulgata). Und die Hebräer setzen gemäß der Eigenheit ihrer Sprache das Abküssen für die Verehrung; ich habe das übersetzt, was sie selbst so verstehen, deren Ausdruck es ist. Bar aber bezeichnet bei ihnen Unterschiedliches. Es heißt nämlich auch Sohn, wie jener es ist: Barjona [das bedeutet] Sohn der Taube (Mt 16,7), und Bartholomäus [das bedeutet] Sohn des Tholomäus (Mk 3,18 par.) und Bartimäus (Mk 10,46) und Barjesus (Apg 13,6) und Barabbas (Mk 15,7); [der Ausdruck bedeutet] ebenfalls Weizen und Ährenbündel und Erwählter und rein. Was habe ich also gesündigt, wenn ich ein uneindeutiges Wort mit unterschiedliche Deutungen übertragen habe und in den Notizen [zu den Psalmen], wo es Freiheit in der Erörterung gibt, gesagt hatte: verehrt den Sohn? Oder Auserwählter, was Aquila und Symmachus ebenfalls übersetzt haben. Warum soll dies dem kirchlichen Glauben schadet, wenn dem Leser beigebracht wird, auf wie viele Arten bei den Hebräern ein Vers erklärt wird? (Contra Rufinum I,19)
Bemerkenswert finde ich den proof-text des Hieronymus – das Zitat aus Hiob 31. Der Wortlaut von Vers 27 ist sehr reduziert gehalten:
ויפת בסתר לבי ותשׁק ידי לפי׃
²⁷ Und im Geheimen wird mein Herz verführt9 und ich küsse meine Hand mit meinem Mund.
Hieronymus hatte oben diesen seltsamen Kuss als Beispiel für Götzendienst gedeutet. In diesem Sinn deutet auch die glossa ordinaria mit Gregor dem Großen diese Aussage:
„ Und ich habe geküsst : durch den Mund wird das Sprechen bezeichnet, daher küsst mit seinem Mund seine Hand, wer lobt, was er gemacht hat.“
Dass Hieronymus insgesamt mit seiner Interpretation des Küssens als adoratio auf der richtigen Fährte war, zeigt ein Blick in's Akkadische. P. Paul Dhorme10 schrieb in seinem Buch über die assyrisch-babylonische Religion:
Eines der gebräuchlichsten Wörter für „Gebet“ ist ikribu, das auf karâbu „huldigen“ zurückgeht und einfach die den Göttern durch das Gebet erwiesene Huldigung ausdrückt. Das Ideogramm dieses Nomens ist äußerst interessant, denn es stellt „die Hand“ „geführt zum“ „Mund“ dar, so dass die Geste des Betenden ursprünglich darin bestand, die Hand zum Mund zu führen, um zu den Göttern zu beten.11
Friedrich Delitzsch hat das entsprechende Ideogramm in seinem Assyrischen Handwörterbuch abgebildet. Die so beschriebene Geste ist auf der Stele des Hammurabbi erkennbar, bei der der König vor dem Sonnengott Schamasch abgebildet ist.

Zur Quelle des Bildes, das sich heute im Pariser Louvre befindet.
Auch The Assyrian Dictionary of the oriental Institute of the University of Chicago Vol. 8 S. 197 gibt als Bedeutung von karābu
to make the gesture of adoration and greeting.
an. Langer Rede kurzer Sinn: es gibt alte und stichhaltige Gründe, die heute gängige Übersetzung küsst den Sohn für richtig zu halten, verständlich nur vor dem altorientalischen Hintergrund des Kusses, der seine Spuren in der griechischen und lateinischen Etymologie hinterlassen hat. Eine wilde Emendation des Textes, wie die von Alfred Bertholet in ZAW 28 (1908), S. 58-59, die von Bernhard Duhm übernommen wurde und so ihren Weg in die Einheitsübersetzung fand, sind unnötig. Die oben genannten Übersetzungen der LXX und Vulgata sind philologisch nachvollziehbar, aber nicht so überzeugend.
Nikolaus wusste mit Sicherheit um die größere Komplexität dieser Übersetzungsfrage, aber er entschied sich, seine Leser nicht mit allen Details zu belasten, ihnen aber doch wesentliche Hinweise zu geben.
Die Übersetzung Luthers findet sich hier.
Mit Menachem ist Menachem ibn Saruq mit seinem hebräischen Wörterbuch Machberet gemeint. Zu Menachem siehe Hanna Liss: Jüdische Bibelauslegung. Mohr Siebeck, Tübingen (2020) S. 37 ff., die schreibt: „Insgesamt gilt, dass wir heute kein hebräisches Lehrbuch und keine Grammatik aufschlagen können, deren Kenntnis der hebräischen Sprache nicht auch Menachem ibn Saruq zu verdanken wäre.“ (S. 38 ebenda)
Vgl. 1 Chr 29,24, wo wörtlich steht: Und alle Fürsten und starken Männer und auch alle Söhne des Königs David gaben eine Hand unter den König Salomo
Vgl. Gen 24,2+9
Die abschließende judenfeindliche Auslegung ist typisch für Hieronymus, aber die Ehrlichkeit gebietet, sie nicht einfach auszulassen.
Vgl. Dieter Böhler: HThKAT Ps 1-150, S. 81
Rufin von Aquileia (um 345-410)
Zu der eigenartigen grammatikalischen Form von יפת siehe GK § 75q, wonach es hier in diesem Verb ל״ה zu einer Verkürzung der Imperfektform unter Auslassung eines Hilfsvokals gekommen sei. Es wird auf § 28d verwiesen, wo der Silbenschluss mit den zwei Konsonanten erläutert wird.
Nach seinem Austritt aus dem Dominikaner-Orden 1931 nannte er sich wieder Édouard Dhorme.
- Paul Dhorme OP: La Religion assyro-babylonienne (²1910) S. 247-248; (MÜ)